Re: Theaternyxie, oder: Eine kleine Geschichte vom Klaviermax.

Es ist dieser Kick, der einen kurz vor dem Öffnen des Vorhangs ereilt, das Atemlose und dann die vollständige Leere im Kopf, beim Spielen. Man denkt nicht, fremde Worte sprudeln nach monatelangem Proben heraus. Es gibt keine Zeit, wenn man für diese Abende in der Rolle aufgeht. Vorhang auf, es folgt ein Rausch, dann Applaus und Euphorie.

Marlen schreibt mit sehr schönen Worten, wie sie die Bühne aus der Position einer Schauspielerin erlebt. Und damit dieser Blog auf einen Schlag wieder 70% persönlicher wird, erzähle ich euch jetzt von meinem Verhältnis zur Bühne.

Ich mache nämlich Musiksachen: elf Jahre Klavierunterricht, Gitarre mehr oder weniger selbst beigebracht, Bass kann man dann auch, ein wenig Schlagzeug und Videos mit meinem Bruder. Wenn man Klavierunterricht hat, muss man einmal im Jahr beim Schülerkonzert vorspielen. Und das war nicht immer schön für mich: zwar bot das Schülerkonzert jedes Jahr schon Monate vorher neuen Anreiz zum Üben, weil man sich auf keinen Fall blamieren wollte, trotzdem war es mir vor allem in den ersten Lernjahren sogar mit guter Vorbereitung immer unangenehm, mich vor das Publikum zu setzen und vorzuspielen. Unangenehm waren mir aber nur Klaviervorspiele: bei Auftritten mit Bands war ich eben nur Teil des Ganzen und war mit meiner Rolle meist unterfordert, sodass ich mechanisch vor mich hin spielen konnte.

Das hässliche, unangenehme Gefühl beim Warten auf den eigenen Klavierauftritt blieb, wenn auch in abgeschwächter Form, bis zu meinem letzten Schülerkonzert bestehen. Ich sollte als letzter Schüler spielen, musste also mehr als eine Stunde warten, bevor ich dran war. Aber bei diesem letzten Konzert merkte ich mehr als je zuvor, dass ich auf dem Klavierhocker nicht mehr bewusst das Geübte abspielte, sondern ganz in das Stück eintauchte. Nun ja, nach fünf Sekunden vergriff ich mich zum ersten Mal, und zwar nicht an der Stelle, mit der ich monatelang kämpfte, sondern drei Töne später. Dass überall um mich herum Leute saßen, die zusahen, merkte ich plötzlich auch nicht mehr. Zum ersten Mal war ich beim Auftritt glücklich und im Applaus danach (die eigentliche Spielzeit kam mir etwa 20 Sekunden lang vor) gar nicht erleichtert, sondern völlig neutral gestimmt. Keine Euphorie also.

Und trotz allem vermisse ich den Klavierunterricht und die Vorspiele höchstens ein kleines bisschen. Der Stress vorher war immer größer als die Freude währenddessen und danach — ich habe das Klavierspielen nicht dafür gelernt, gefeiert zu werden, sondern weil ich es ganz persönlich mag und für eine tolle Fähigkeit halte. Von den klassischen Stücken, die ich so angestrengt übte, ist inzwischen nur noch wenig übrig, meine Finger fühlen sich ein wenig unbeweglicher an, aber das Gehör, das ich jahrelang trainiert habe, bleibt. Wenn ich Radio höre und mir langweilig ist, kenne ich plötzlich die Harmonien und könnte auf einem Klavier mitspielen. Und das finde ich supercool, egal ob mir das im Alltag irgendetwas bringt oder ob ich mich damit selbst nur nerve.

Bonus für alle, die bis hierhin durchgehalten haben, und mir verzeihen, dass es hier gar nicht um Theater geht: mein letzter Klavierauftritt, eine Brahms-Rhapsodie in g-moll, mit besagtem ekligen Fehler bei 5 Sekunden. Trotzdem bin ich superzufrieden damit.

Probleme, die eigentlich nicht schlimm scheinen, aber wirklich nicht zu lösen sind und mich deshalb doch sehr stören.

Das ist ein iPhone, das gerade ein Video mit einem Babyäffchen abspielt. Jemand hat auf den Bildschirm getippt, sodass die Kontrollelemente angezeigt werden. Vielleicht möchte man jetzt die Lautstärke ändern. Wenn man das nicht mit dem Finger auf dem Lautstärkeregler, der auf dem Bildschirm angezeigt wird, tut, sondern mit den Hardware-Lautstärketasten direkt darunter, dann gibt es ein Problem. Drückt man auf die linke Taste, wird die Lautstärke erhöht und der Regler auf dem Bildschirm bewegt sich nach rechts; Mit der rechten Taste bewegt sich der Regler nach links. Ärgerlich!

Ich achte also penibel darauf, dass ich mein Handy für Videos und Spiele so halte, dass der Home-Button links und die Lautstärketasten oben sind. Bisher hat mich niemand ernst genommen, dem ich dieses Problem erklären wollte. Außerdem ist es unlösbar. Die Lautstärketasten können nämlich nicht ausrichtungsabhängig funktionieren, weil Hardware “stärker” als Software bleiben muss. Versteht mich irgendjemand?

Re: Playlists zum Laufen

Laufen, zumindest fast — seit ein paar Wochen bin ich regelmäßig in einem Fitnessstudio hier in der Nähe und muss sagen, dass es mir gut tut und ich mich jetzt schon gesünder und besser fühle. Das ist vielleicht nur Anfangsmotivation, aber ich glaube, dass ich es schaffe, dabeizubleiben und das weiterzumachen. Nach dem eigentlichen Training an verschiedenen Geräten (harmloser als es klingt!) mache ich noch eine halbe Stunde Ausdauertraining auf einem Crosstrainer und eben dafür suchte ich passende Musik.

Obwohl draußen gerade wirklich schönes Wetter ist, motiviert mich ein piepsendes Gerät mit Display, das Zeit herunter– und Kalorien und Strecke heraufzählt, (im Moment noch) mehr. Ich laufe dann ein Profil, das eine halbe Stunde dauert und heute so aussah:

1892 Meter, 285 verbrannte Kilokalorien, 30 Minuten laufen. Wie gut oder schlecht das ist, ist mir eigentlich egal und ums Kalorien verbrennen geht es mir überhaupt nicht, ich möchte nur wieder ein wenig ausdauernder werden. Die Blöcke stellen nicht wirklich Berge da, die man beim Laufen bezwingt, sondern die "Steigung", also die Schwierigkeit. Erste Ableitung der Bergfunktion. Jeder Block ist 90 Sekunden breit. Der niedrigste Block links bedeutet “80”, der größte “172”. 80 ist lockeres Joggen, bei 172 kommt man wirklich ins Schwitzen und wünscht sich, dass die 90 Sekunden, die man mit dieser Steigung läuft bald vorbei sind.

Daniel schickte mir diesen Quatsch hier und Dom schickte mir eine sehr feine Playlist, die leider nicht ganz zu meinem Profil passt. Statt dem zweiten Track aus Doms Playlist hatte ich auch plötzlich viel mehr Lust auf Get It Together, schob das spontan ein und fühlte mich beim ersten Anstieg wie ein kleiner, hüpfender Sackboy. Den größten Anstieg hatte ich aber vor Salt In The Wounds, dem eigentlichen Höhepunkt der Playlist, schon hinter mir. Nun ja.

Was ich eigentlich sagen wollte: Passende Musik zum Fitnesstudio-Laufen finden ist gar nicht so einfach. Und eigentlich will ich mich auch nicht hinsetzen und eine Playlist haargenau an ein Profil anpassen, weil mich die Musik dann am nächsten Tag nicht mehr motiviert, sondern nur noch nervt. Aber ich könnte euch eine Laufplaylist bauen und dann selbst irgendwann später ausprobieren. Mit Eye Of The Tiger und so. Und ihr schreibt mir einfach auf Twitter, wenn ihr eine coole Laufplaylist für mich habt. Sie muss auch nicht genau zu meinem Profil passen. Wir sollten uns sowieso alle viel mehr Playlists machen und schicken. Ja?

Ich bin Mid-core-casual-N00b-Gamer.

Vorgestern hat irgendjemand auf Twitter Draw Something entdeckt. Auf dem iPhone Begriffe malen, die dann von Freunden ohne Zeitdruck geraten werden müssen — das ist einfach und genial. Anstatt gegeneinander zu spielen, sammelt man zusammen Punkte. Viel mehr casual kann Gaming gar nicht werden. Vielleicht wird Draw Something wie so viele andere Spiele in zwei, drei Tagen wieder egal sein, weil niemand mehr mitmacht, aber gerade macht es riesigen Spaß. Und damit ich Spaß an einem Spiel habe, braucht es meistens Freunde, die mitspielen und mich herausfordern.

Das war auch schon früher so. In der 5. Klasse spielte ich zusammen mit meinem Bruder LEGO Insel und Need For Speed 2, wir waren in beiden Spielen furchtbar schlecht, hingen wochenlang an den gleichen Stellen fest, aber hatten uns immer gegenseitig zum Ansporn und zur Herausforderung. Als ich 2003 meinen ersten Laptop bekam, hörte ich vom einen auf den anderen Tag mit Computerspielen auf.

Auf dem Nintendo DS habe ich außer Ace Attorney (muss ich auch ganz oft lobend erwähnen, spielt das!) auch nur gegen meinen Bruder Mario Kart und irgendwelche Spielesammlungen gespielt. Das gab auf der Autorückbank dann durchaus manchmal Krach, wenn man wegen einer Kurve beim Bowling mit dem Stylus abrutschte, machte uns aber auch sehr viel Spaß. Bei Zelda, New Super Mario Bros. und den Mario-RPGs verließ mich immer schon nach kurzer Zeit die Motivation, weil ich darin niemanden besiegen oder übertrumpfen konnte und musste.

FarmVille und Project Legacy habe ich auf Facebook nur gespielt, um Steffen zu besiegen. In beiden Fällen hatte er mit den Spielen angefangen und sie mir gezeigt, ich fand sie interessant und probierte sie aus, einige Wochen später hatte ich ihn dann dank meiner besseren Strategie (naja, bei FarmVille war ich einfach fleißiger) überholt und wir hörten bald beide auf.

Etwa zu dieser Zeit bekam Leo auch seine PlayStation 3. Wir spielten Skate 2, erst weil man so lustig stürzen konnte und dann, um richtig gut darin zu werden. Erst ab diesem Zeitpunkt würde ich mich überhaupt als Gamer irgendeiner Art bezeichnen. Die Trophäen, mit denen man sich mit Freunden vergleichen konnte, wurden zu meiner Motivation in Singleplayer-Spielen. In Assassin’s Creed 2 sammelte ich alle hundert Federn und erledigte viele andere nervige Aufgaben, um dann nach vielen Stunden endlich die Platin-Trophäe zu erhalten. Großartig. In Uncharted 2 sammelte ich alle Schätze und spielte das Spiel insgesamt dreimal auf verschiedenen Schwierigkeitsgraden durch. Langweilig wurde das nicht, es gab ja ein konkretes Ziel: die nächste Trophäe und das Hochleveln im PlayStation Network.

War so ein Ziel erreicht, wurde das Spiel wieder weggepackt und ich fasste die PlayStation wochenlang nicht an. Und wenn ich in einem Spiel nicht mindestens einigermaßen gut wurde, blieb es auch liegen. Irgendwo liegt noch Arkham Asylum rum, ich spielte etwa zwei Stunden, verstand ein paar Sachen nicht, starb zu oft gegen einen Gegner, zack, aufgegeben. Egal, wie großartig das Spiel ist. Manchmal bin ich einfach zu schlecht.

Anders ist es, wenn ich eine Spielereihe schon kenne und den nächsten Teil spiele, in den letzten Monaten waren das Uncharted 3 und Assassin’s Creed: Revelations. In beiden Spielen sammelte ich kaum bewusst Trophäen, weil mich nur für die Story interessierte. Vielleicht packe ich Uncharted in den nächsten Tagen nochmal aus und spiele es ein bisschen gründlicher, aber gerade will ich das gar nicht. Jetzt gerade höre ich aus dem Nebenzimmer Call of Duty-Geräusche, Leo spielt schon unzählige Stunden online und ist gerade auf Prestige 3, das interessiert mich überhaupt nicht.

N00b eben. Weil ich oft nichts kann und keine reinen Egoshooter mag. Und Mid-core, weil ich mich doch manchmal gerne in Spielen festbeiße, sie komplett durchspielen will. Nicht hardcore, weil ich nur besser als ein paar Freunde sein will, nicht onlinespielgut. Und casual, weil ich gerade ein Häschen auf mein Handy malte, damit Maria das erraten kann. Und weil ich schon gespannt bin, was sie mir gleich zurückmalt. Das macht mir Spaß, so sollen Spiele für mich sein.