Max Friedrich

– that cool internet dude from Hamburg, Germany

Ich bin Mid-core-casual-N00b-Gamer.

Vorgestern hat irgendjemand auf Twitter Draw Something entdeckt. Auf dem iPhone Begriffe malen, die dann von Freunden ohne Zeitdruck geraten werden müssen — das ist einfach und genial. Anstatt gegeneinander zu spielen, sammelt man zusammen Punkte. Viel mehr casual kann Gaming gar nicht werden. Vielleicht wird Draw Something wie so viele andere Spiele in zwei, drei Tagen wieder egal sein, weil niemand mehr mitmacht, aber gerade macht es riesigen Spaß. Und damit ich Spaß an einem Spiel habe, braucht es meistens Freunde, die mitspielen und mich herausfordern.

Das war auch schon früher so. In der 5. Klasse spielte ich zusammen mit meinem Bruder LEGO Insel und Need For Speed 2, wir waren in beiden Spielen furchtbar schlecht, hingen wochenlang an den gleichen Stellen fest, aber hatten uns immer gegenseitig zum Ansporn und zur Herausforderung. Als ich 2003 meinen ersten Laptop bekam, hörte ich vom einen auf den anderen Tag mit Computerspielen auf.

Auf dem Nintendo DS habe ich außer Ace Attorney (muss ich auch ganz oft lobend erwähnen, spielt das!) auch nur gegen meinen Bruder Mario Kart und irgendwelche Spielesammlungen gespielt. Das gab auf der Autorückbank dann durchaus manchmal Krach, wenn man wegen einer Kurve beim Bowling mit dem Stylus abrutschte, machte uns aber auch sehr viel Spaß. Bei Zelda, New Super Mario Bros. und den Mario-RPGs verließ mich immer schon nach kurzer Zeit die Motivation, weil ich darin niemanden besiegen oder übertrumpfen konnte und musste.

FarmVille und Project Legacy habe ich auf Facebook nur gespielt, um Steffen zu besiegen. In beiden Fällen hatte er mit den Spielen angefangen und sie mir gezeigt, ich fand sie interessant und probierte sie aus, einige Wochen später hatte ich ihn dann dank meiner besseren Strategie (naja, bei FarmVille war ich einfach fleißiger) überholt und wir hörten bald beide auf.

Etwa zu dieser Zeit bekam Leo auch seine PlayStation 3. Wir spielten Skate 2, erst weil man so lustig stürzen konnte und dann, um richtig gut darin zu werden. Erst ab diesem Zeitpunkt würde ich mich überhaupt als Gamer irgendeiner Art bezeichnen. Die Trophäen, mit denen man sich mit Freunden vergleichen konnte, wurden zu meiner Motivation in Singleplayer-Spielen. In Assassin’s Creed 2 sammelte ich alle hundert Federn und erledigte viele andere nervige Aufgaben, um dann nach vielen Stunden endlich die Platin-Trophäe zu erhalten. Großartig. In Uncharted 2 sammelte ich alle Schätze und spielte das Spiel insgesamt dreimal auf verschiedenen Schwierigkeitsgraden durch. Langweilig wurde das nicht, es gab ja ein konkretes Ziel: die nächste Trophäe und das Hochleveln im PlayStation Network.

War so ein Ziel erreicht, wurde das Spiel wieder weggepackt und ich fasste die PlayStation wochenlang nicht an. Und wenn ich in einem Spiel nicht mindestens einigermaßen gut wurde, blieb es auch liegen. Irgendwo liegt noch Arkham Asylum rum, ich spielte etwa zwei Stunden, verstand ein paar Sachen nicht, starb zu oft gegen einen Gegner, zack, aufgegeben. Egal, wie großartig das Spiel ist. Manchmal bin ich einfach zu schlecht.

Anders ist es, wenn ich eine Spielereihe schon kenne und den nächsten Teil spiele, in den letzten Monaten waren das Uncharted 3 und Assassin’s Creed: Revelations. In beiden Spielen sammelte ich kaum bewusst Trophäen, weil mich nur für die Story interessierte. Vielleicht packe ich Uncharted in den nächsten Tagen nochmal aus und spiele es ein bisschen gründlicher, aber gerade will ich das gar nicht. Jetzt gerade höre ich aus dem Nebenzimmer Call of Duty-Geräusche, Leo spielt schon unzählige Stunden online und ist gerade auf Prestige 3, das interessiert mich überhaupt nicht.

N00b eben. Weil ich oft nichts kann und keine reinen Egoshooter mag. Und Mid-core, weil ich mich doch manchmal gerne in Spielen festbeiße, sie komplett durchspielen will. Nicht hardcore, weil ich nur besser als ein paar Freunde sein will, nicht onlinespielgut. Und casual, weil ich gerade ein Häschen auf mein Handy malte, damit Maria das erraten kann. Und weil ich schon gespannt bin, was sie mir gleich zurückmalt. Das macht mir Spaß, so sollen Spiele für mich sein.

1 year ago 1