Was ist eigentlich mit persönlichen Blogs passiert?
Ich lese gerne persönliche Blogs. Ich interessiere mich dafür, wie ihr euer Wochenende verbringt, welche Konzerte ihr besucht, ja sogar was und mit wem ihr zu Abend esst. Ich möchte lesen und ich möchte Fotos sehen. Egal, ob ihr etwas besonderes unternehmt oder nur euren Alltag festhaltet. Ich will wissen, was euer Leben macht.
Oft höre ich dann “Hier, schau, mein Twitter-Account, da steht das alles!”. Es ist vollkommen verständlich, dass Wortspiele und Fotos von Nudeln eher auf Twitter als auf Blogs landen. Twitter geht schneller, man muss sich keine Gedanken um Bildqualität und Layout machen, sondern einfach zweimal mit dem Finger tippen und nicht länger darüber nachdenken. Twitter hat Vorteile: alle, die lesen wollen, was ihr schreibt, sehen es sofort und können einfach darauf antworten oder Sternchen vergeben. Ohne Twitter würde ich die meisten Menschen, deren Blogs ich gerne lesen würde, gar nicht kennen.
Was ich aber eigentlich sagen möchte: Twitter hat als Blog-Ersatz ein paar riesige Nachteile. Tweets gehen innerhalb von Minuten, manchmal sogar Sekunden, unter und werden dann nie mehr beachtet. Fast niemand schaut sich alle Tweets an, die in der Timeline landen. Informationen auf Twitter sind so kurzlebig, dass man fast keine Möglichkeit hat, Tweets zu finden, die älter als ein paar Wochen sind. So verlieren sich wirklich interessante Informationen schnell unter Witzen, Chats und Fotos vom eigenen Schreibtisch. Blogs hingegen sind langlebig, durchsuchbar und durchblätterbar. Ein neuer Post taucht auch Wochen später noch im Feedreader auf, wenn man zwischendurch offline war. Beim Stöbern auf /page/15 findet man plötzlich Dinge wieder, über die man sich schon einmal gefreut hat, oder lernt einen Menschen besser kennen — weit über dem typischen Twitter-Niveau.
Ich selbst kann natürlich nicht glaubhaft predigen, dass ihr mehr bloggen sollt. Ich habe maxfriedrich.de schon zwischen fünf und zwölf Mal gerelauncht, verschiedenste Blogsysteme darauf installiert und auch jetzt mit Tumblr habe ich kaum Durchhaltevermögen als Blogger. Ich bin aber trotzdem froh, dass ich in den letzten Jahren immer wieder kurz blogmotiviert war und so ein paar längere Texte und viele Fotos entstanden sind, die ich mir selbst immer wieder gerne anschaue. Das ist für mich die größte Motivation, mehr zu bloggen. Meine alten Tweets schaue ich mir, obwohl ich sie säuberlich archiviert habe, praktisch nie an, außer wenn ich etwas konkretes suche.
Also: macht euch Blogs, lest sie selbst und freut euch darüber, wenn andere Menschen sie auch lesen möchten. Benutzt Twitter weiterhin für 95% eures Unsinns, aber verwerft Gedanken nicht, nur weil sie zu lang für einen Tweet sind.