Perfektion und Erfolg
Diesen Artikel schreibe ich auf Deutsch, weil Konferenz 28 ein deutschsprachiger Podcast ist und es ein bisschen um ihn geht.
Ich spiele seit 12 Jahren Klavier. Es macht mir Spaß und ich setze mich fast jeden Tag für ein paar Minuten (manchmal auch deutlich länger) ans Instrument. Ich habe nicht den Anspruch, Konzertpianist zu werden, dutzende Seiten lange Brahms-Stücke zu lernen oder große Mengen Geld damit zu verdienen.
Ich bin seit vier Wochen Co-Host eines Podcasts, in dem es um Technikkram und das Internet geht. Ich habe nicht den Anspruch, den besten und beliebtesten deutchsprachigen Podcast zu machen und damit reich zu werden.
Das sind zwei meiner Hobbys.
Sowohl beim Klavierspielen als auch beim Podcasten versuche ich trotzdem, ordentliche Leistungen zu erbringen, aber nur soweit, wie es meinen Spaß fördert.
Ich schlage nicht wild auf die Klaviatur ein, sondern versuche (mehr oder weniger) sinnvoll zu spielen, weil ich dann mehr Spaß habe. Würde ich mir Stücke aussuchen, für die ich täglich mehrere Stunden lang üben müsste, hätte ich keinen Spaß mehr. Aber ich bin auch so fähig genug, um ab und zu Leute zuhören zu lassen oder Stücke auf YouTube zu stellen.
“On air” kritisiere ich keine abstrakte Kunst, weil ich davon kaum Ahnung habe, sondern rede über Dinge, die mich im Alltag interessieren. Gerade ist das vor allem Technikkram. Ich will mich aber nicht vor jeder Aufnahme mehrere Stunden lang in Themen einlesen müssen, um dann im Podcast möglichst klug zu klingen. Ich will keinen zusätzlichen Stress.
Klaviermusik und Podcasts ergeben für mich auch Sinn, wenn man nicht nach Perfektion strebt. Ihr könnt Podcast-Abos kündigen und YouTube-Tabs schließen, wenn euch etwas nicht gefällt. Konferenz 28 soll nicht der einzige Podcast (zum Thema) sein, den ihr hört. Wenn ihr nur einen Podcast wollt, dann sucht euch einen aus, der von Profis gemacht wird, die davon leben. Wir haben nicht den Anspruch, euch über alles zu informieren, was gerade wichtig ist – wir wollen uns nur unterhalten, unsere Meinungen austauschen, euch vielleicht doch den einen oder anderen Tipp geben, den ihr noch nicht kanntet, und ein wenig lachen.
Scheinbar finden das viele Leute okay, denn jede Woche bekommen wir Replys, in denen ihr euch für die Sendung bedankt. Das ist lieb.
Noch kurz zum anderen Thema: Wer sagt, dass ihm Statistiken und messbare Erfolge völlig egal sind, lügt. Ohne Ausnahme. Wir schauen alle ab und zu auf Followerzahlen, auf die Blog-Analytics und aufs Reddit-Karma. Wenn ich keine Twitter-Follower hätte, würde ich da auch nichts posten. Aber ich behaupte, dass mich Statistiken eher wenig interessieren. Wenn ich alle paar Wochen mal wissen will, wie es meinem Blog geht, und “analytics” in die Adressleiste meines Browsers tippe, ist der letzte Aufruf meist schon aus der History verschwunden. Wenn ich Unsinn bastle, vergesse ich es sogar komplett, eine Statistikfunktion einzubauen. Die absoluten Konferenz-Zugriffszahlen spielen für meinen Spaß an der Sache keine Rolle.
Solange jede Woche ein paar Leute den Podcast hören und uns das sagen, lohnt sich für mich der Mehraufwand, unser Gespräch aufzunehmen und zu veröffentlichen.